In der aktuellen Diskussion rund um die Zukunft von Software und KI zeichnen sich fundamentale Veränderungen ab. Microsofts CEO Satya Nadella brachte es kürzlich auf den Punkt: Die klassische Anwendungsschicht wird sich auflösen. Statt monolithischer Anwendungen treten Agenten, die direkt auf Daten zugreifen – leichtgewichtig, kontextsensitiv und zielgerichtet. Für uns als Hersteller von Viewern und Informationszugriffskomponenten ist das eine enorme Chance – und ein Auftrag, die Zukunft aktiv mitzugestalten.
Die klassische Anwendung wird sich auflösen
Seit Jahrzehnten besteht der Aufbau einer Business-Anwendung aus mehreren Schichten: UI, Business-Logik, Persistenz, darunter eine Datenbank. Diese Trennung war sinnvoll – für Skalierbarkeit, Wartbarkeit und Organisation. Doch sie bringt auch Trägheit mit sich: Jede Änderung muss durch alle Ebenen fließen. Jeder Prozess ist aufwendig abgebildet.
Mit der Einführung von KI-Agenten verschiebt sich dieser Aufbau radikal. Anwendungen werden künftig nicht mehr Funktionen anbieten, sondern Zugänge zu Informationen bereitstellen. Die Intelligenz – also Geschäftslogik, Kontextbewertung, sogar Entscheidungsfindung – wandert in den Agent.
Der neue Standard: Zugriff + Absicht = Handlung
Was wir künftig brauchen, ist nicht mehr eine große Applikation – sondern:
- Einen sauberen Zugriff auf strukturierte und unstrukturierte Daten
- Eine semantische Beschreibung der Absicht (Intent)
- Einen intelligenten Agenten, der das verarbeitet und ausführt
Beispiel: Ein Versicherungsmitarbeiter möchte „alle Schadensfälle mit offener Rückmeldung im letzten Quartal“ sehen. Früher bedeutete das: UI öffnen, Maske befüllen, Filter setzen, suchen. Zukünftig genügt ein Sprachbefehl oder ein Prompt. Der Agent kennt die Struktur, die Zugriffsrechte und den Kontext – und liefert ein Ergebnis.
Die Rolle der Dokumentenanzeige in dieser neuen Welt
Als Viewerhersteller stehen wir an einer entscheidenden Stelle in diesem Wandel. Wir visualisieren Informationen, strukturieren Datenströme und schaffen die Schnittstelle zwischen Mensch, System und Kontext.
Wenn Agenten zunehmend die „Anwendung“ ersetzen, dann brauchen sie eine verlässliche, semantisch erschlossene Zugriffsschicht auf Inhalte – genau das, was moderne Viewer und Annotationslösungen leisten:
- Semantisch angereicherte Dokumente
- Kontextualisierte Datenzugriffe
- Interaktive Navigation
- Visuelle Rückverankerung von KI-Antworten im Originaldokument
Der Datenlayer wird entscheidend
Diese neue Welt erfordert ein Umdenken in der Datenhaltung: Weg vom „One-Size-Fits-All“-System hin zu Use-Case-optimierten Datenstrukturen. Die Frage lautet nicht mehr: Welche Datenbank ist am flexibelsten?, sondern: Welche Datenhaltung ermöglicht den effizientesten Zugriff für den jeweiligen Intent?
Ein KI-Agent, der Fristen ermittelt, braucht eine andere Sicht auf Daten als ein Reporting-Tool. Wir müssen also nicht nur die richtigen Daten speichern, sondern auch die richtige Struktur und Semantik bereitstellen – abrufbar über offene Schnittstellen, APIs oder semantische Layer.
Fazit: Vom Klick zur Absicht
Die Zukunft gehört nicht mehr der Anwendung – sie gehört der Absicht. „Intent-driven Computing“ wird der neue Standard. Wer in dieser Welt erfolgreich sein will, muss nicht nur Software bauen, sondern Kontexte verstehen, Daten verfügbar machen und Agenten mit Bedeutung versorgen.
Als Viewerhersteller und DMS-Experten können wir genau das leisten: Brücken bauen zwischen rohen Daten und intelligenter Nutzung. Der Wandel ist radikal – aber genau darin liegt unsere Chance, die Zukunft aktiv mitzugestalten.